Gundermann(Glechoma hederacea)

Es ist Gründonnerstag...
Und wie in so vielen Jahren wandere ich durch meine Heimat und sammele alles für den
„grünen Topf“. Die neunerlei frischen, grünen Kräuter werden uns bestimmt wieder schmecken in unserer herzhaften Gründonnerstags- Suppe. Es ist noch gar nacht so lange her, dass man diesen Brauch gepflegt hat. An Gründonnerstag musste eben etwas Grünes her.
Aber warum gerade an diesem Tag und ausgerechnet 9 Kräuter.
Das Wissen darum ist in der letzten Zeit etwas abhanden gekommen, um dies zu ergründen frage ich eine alte Frau aus meinem Dorf, die wird es wissen.
„Ja das ist so“, sagt Frau Degen, „die Gründonnerstagssuppe dampfte früher in germanischen Kochtöpfen. Es handelte sich um eine regelrechte Kultspeise, denn unsere Vorfahren glaubten, wenn sie daran teilnahmen bekämen sie die lebensspendende, heiligen Kräfte der Natur und sie würden in Harmonie mit den Göttern treten. Außerdem wollten sie sich mit dieser Suppe , die ausschließlich Kraftpflanzen enthielt, mit den guten und heiligen Kräften verbinden.“
„Ach so“, überlegte ich „ und einer der wichtigsten Bestandteile solch einer Suppe war eben auch der Gundermann“.
„Der Gundermann gehört zu den Pflanzen, die in unmittelbarer Nähe zu den Menschen und ihren Behausungen wachsen. Dies galt früher als Verkörperung der guten Haus- u. Hofgeister, die Menschen in Zeiten der Not ihre Hilfe anbieten. An bestimmten Tagen eben nach altem Wissen dem Gründonnerstag, Sommersonnenwende, Maria Himmelfahrt, Maria Geburt sollten diese Kräfte der Pflanze eben besonders stark sein“ erklärte mir Frau Degen.
„Der Gundermann steht heute noch als besonders aktives Pflanzen- Heinzelmännchen da, er schützt vor schlechten Einflüssen und vor zehrenden Krankheiten, er kann schlimme Wunden heilen und gibt Kraft für die Genesung. Den Gründonnerstag feierte man draußen in der freien Natur. An diesem Tag gespendete Lebenskraft nach hartem Winter galt als besondere Pflanzenkraft. Die Nacht tanzte man draußen im Wald und trug zum Zeichen für die Götter einen Kranz aus Gundelrebe, die Christen übernahmen den Brauch als Zeichen der begnadeten Büßer, die zum ersten Mal wieder am Abendmahl teilnehmen durften. Die Kraft des Grünen, der alten und neuen Religion fasste auch Hildegard von Bingen auf. Sie schrieb daher „Es ist eine Kraft der Ewigkeit, und diese Kraft ist grün“. „Ach ja, auf heute umgesetzt fällt mir dazu sofort ein Sprichwort ein, -Grün ist die Farbe der Hoffnung-„ erwiderte ich. „Genau, da gibt es noch ein kleines Gebet dazu“, erzählte mir Frau Degen.

„Kein Baum grünt ohne Kraft zum Grünen
Kein Stein entbehrt der grünen Feuchtigkeit.
Kein Geschöpf ist ohne diese besondere Eigenkraft:
Die lebendige Ewigkeit selbst ist nicht ohne Kraft zum Grünen“

Mit dieser Kraft wollten sich früher, wie heute Menschen verbinden. Die Bedeutung heute zur Kultspeise Gründonnerstagsuppe enthält nur Bruchteile des damaligen Verständnisses um die Suppe und auch der Brauch der Kränze ist leider verloren gegangen“, sagte Frau Degen...

Nicht nur zu Gründonnerstag können wir uns dieser leckeren und hilfreichen Pflanze bedienen, es gibt noch viel Interessantes zu berichten. Besuchen Sie doch einen Kräuterspaziergang mit mir.